Jugendtreff Ingersheim
Upcycling im Hochbau: Ein kommunaler Jugendtreff aus wiederverwendeten Betonschalungen der Stuttgart-21-Baustelle.
Der seit Sommer 2024 fertiggestellte Jugendtreff in der Gemeinde Ingersheim nutzt temporäre Betonschalungen direkt als tragende Bauteile im Hochbau. Das Reallabor im Gewann Fischerwörth besteht aus zwölf ausgedienten Brettsperrholz-Elementen der Stuttgart-21-Baustelle und bietet rund 50 Quadratmeter Nutzfläche. Durch diese Form der direkten Wiederverwendung verbindet das Bauwerk ein kommunales Projekt für Jugendliche mit der interdisziplinären Forschung der Hochschulen Konstanz, Stuttgart und Karlsruhe.
Sommer 2024
50 m²
Andreas Kretzer, Stefan Krötsch, Roman Kreuzer, Katharina Raabe, Maximilian Stemmler
Claus Kofink
TPW Bau GmbH
Faltlhauser Krapf
Beratende Ingenieurgesellschaft mbH (Tragwerksplanung)
Ingenieurbüro Westram (Vermessung)
HTWG Konstanz
HFT Stuttgart
HS Karlsruhe
proHolz Baden-Württemberg
Züblin Timber GmbH
Ed. Züblin AG
Der Entwurf dreht den konventionellen Planungsprozess um: Ausgehend von der festen Geometrie der verfügbaren, dreidimensional geschwungenen Schalungselemente, die ursprünglich den Beton für eine Personenunterführung formten, entwickelten die Planer eine Raumstruktur. Anstatt das formgefräste Brettsperrholz nach dem Einsatz thermisch zu verwerten, wurden die Elemente entlackt, geschliffen und als tragende Wände sowie als Decke montiert. Um die massiven, unbehandelten Holzoberflächen vor der Witterung zu schützen, erhielt das Gebäude eine eigenständige, elliptische Hülle aus Konstruktionsvollholz und Brettschalungen. Diese Fassadenkonstruktion ist vollständig reversibel verschraubt und kommt bis auf die Dachabdichtung ohne zusätzliche Folien, Klebstoffe oder Lacke aus. Der Bau, für den die Gemeinde rund 100.000 Euro investierte, ruht auf einer konventionellen Stahlbeton-Bodenplatte mit Sockelwänden, da eine rückbaubare Schraubfundamentierung aufgrund von Hochwasserschutzanforderungen am Standort nicht zulässig war.
Die Zugänge zum Gebäude verbergen sich hinter der äußeren Lattung der Holzfassade, wodurch von außen kein direkter Blick in den intim wirkenden, labyrinthisch geführten Innenraum möglich ist.
Text: ZAB | Quellen: Gemeinde Ingersheim, HTWG Konstanz, HFT Stuttgart, HS Karlsruhe, proHolz Baden-Württemberg, Züblin Timber GmbH, Ed. Züblin AG