Friedenauer Höhe, Berlin

Wo einst auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf Güterzüge rangierten, entsteht heute eine bedeutsames Wohnungsbauprojekt Berlins: die Friedenauer Höhe. Auf rund sieben Hektar schließt das neue Quartier eine langjährige städtebauliche Lücke zwischen Friedenau und Schöneberg und schafft Raum für ca. 1.000 Miet- und Eigentumswohnungen sowie moderne Büroflächen. Das Vorhaben markiert nicht nur eine erfolgreiche Nachverdichtung; es steht außerdem für eine technologische Transformation des Rohbaus. Als zentraler Teil des Forschungsprojekts CORE wird hier die großflächige Anwendung von Recycling-Beton erprobt, um urbane Stoffkreisläufe zu schließen und die Klimabilanz massiver Bauwerke signifikant zu verbessern.

Fertigstellung

2026

Fläche

ca. 60.000 m²

Bauvolumen

ca. 1.060 Wohnungen (Miet- und Eigentumswohnungen)

Bauherrschaft

Instone Real Estate und Joint-Venture-Partner OFB Projektentwicklung GmbH

Generalunternehmung

Kondor Wessels

CO² Management
Beton-Herstellung
Wissenschaftliche Begleitung

ifeu / TU Berlin

(c) ZAB
(c) ZAB

Städtebauliches Konzept und Architektur 
Der Masterplan des Büros Eike Becker_Architekten setzt auf eine moderne Interpretation der Berliner Mischung. Das Quartier ist geprägt durch eine aufgelockerte Blockrandbebauung, die begrünte Innenhöfe umschließt und so eine hohe Lebensqualität im dichten urbanen Raum schafft. Herzstück der Anlage ist ein öffentlicher Park, der die neuen Wohnbauten mit dem bestehenden Kiez vernetzt. Die Architektur verbindet funktionale Wohnansprüche mit einer klaren, zeitlosen Ästhetik. Hinter den Fassaden verbirgt sich die eigentliche bauliche Revolution: Unter der Leitung der Projektentwickler BPD und OFB sowie des Generalunternehmers Kondor Wessels wurde das Gebäude selbst zum aktiven CO2-Speicher.

Urban Mining und CO2-Mineralisierung 
In der baulichen Umsetzung kommt die innovative Technologie des Partners neustark zum Einsatz. Dabei wird der herkömmliche Recycling-Prozess um eine entscheidende Stufe erweitert: In die Poren von lokalem Betongranulat aus Abbruchmaterial wird CO2 injiziert, das aus industriellen Quellen stammt. Durch eine chemische Reaktion wandelt sich das Gas dauerhaft in das stabile Mineral Kalkstein um. Dieses angereicherte Granulat dient anschließend als hochwertiger Zuschlagstoff für den neuen Beton der Friedenauer Höhe. So wird Bauschutt nicht nur im Sinne des „Urban Mining“ wiederverwertet, sondern gleichzeitig als Medium genutzt, um Emissionen dauerhaft aus der Atmosphäre zu entfernen und im Beton zu binden.

Innerhalb des wissenschaftlich begleiteten Projekts CORE wird dokumentiert, dass durch die Kombination aus optimierten Zementrezepturen und dem CO2-angereicherten Recycling-Granulat eine Reduktion des CO2-Fußabdrucks der Bauteile um bis zu 50 % erreicht werden kann. Damit fungiert die Friedenauer Höhe als großskaliger Nachweis für die industrielle Umsetzbarkeit der Mineralisierungstechnologie unter realen Baustellenbedingungen.


© Text: ZAB | Quellen: neustark, ifeu, Eike Becker_Architekten