Landratsamt Esslingen
Die STRABAG-Tochter ZÜBLIN hat den Neubau des Landratsamts Esslingen schlüsselfertig geplant und errichtet – und zwar als Pilotprojekt zum kreislaufgerechten Bauen in zwei Schritten. Der sanierungsbedürftige und zu klein gewordene Verwaltungsaltbau am Ufer des Neckars ist zunächst systematisch zurückgebaut und dann an gleicher Stelle durch ein modernes, zweiteiliges Bürogebäude mit vier bis fünf Geschossen ersetzt worden. Bei Rückbau und Neubau gleichermaßen lag ein Hauptaugenmerk auf Recycling und Ressourcenschonung.
September 2025
Netto-Raumfläche: 33.000 m²
Arbeitsplätze: 675
Landratsamt Esslingen
ZÜBLIN-Direktion Stuttgart und
ZÜBLIN-Tochter Wolfer & Goebel Bau GmbH
Concular
Heinrich Feeß GmbH & Co. KG
Eine nachhaltige Umsetzung hatte für das Landratsamt als Bauherrschaft oberste Priorität; das Bauprojekt folgte dazu einem eigens erstellten Konzept zum kreislaufgerechten Bauen: Beim systematischen Rückbau des Bestandgebäudes wurden die Baumaterialien im ersten Schritt bestmöglich getrennt und für die Wiederverwendung am Bau aufbereitet (Urban Mining). Im zweiten Schritt, bei der schlüsselfertigen Errichtung des Neubaus, wurden gezielt Recycling-Baustoffe eingesetzt: So ist der Rohbau beispielsweise zu einem erheblichen Teil aus ressourcenschonendem Recycling-Beton (R-Beton) gegossen worden. Für das neue Verwaltungsgebäude wurde ein materialökologischen Bauteilkatalog erstellt, der alle wesentlichen Bauteile erfasst und ihnen die verwendeten Materialien inklusive baubiologischer Eigenschaften zuordnet.
Mehr als 90 Prozent des Bauschutts aus dem Altbau werden recycelt
Vor dem Baustart im Februar 2023 hat die Recycling-Spezialistin Heinrich Feeß GmbH & Co. KG den Altbau des Landratsamts Esslingen systematisch entkernt und demontiert. Zur Optimierung des Bauschutt-Recyclings folgte der Rückbau einer im Vorfeld aufgestellten Materialstrom-Bilanz, die detailliert und nach Baustoffen getrennt die Mengen sowie deren Verwertung- bzw. Entsorgungspfade aufzeigt. Mehr als 90 Prozent der aus dem Altbau zurückgewonnenen Materialien waren kreislauffähig und sind wiederverwertet worden.
- Die gut 31.500 Tonnen Beton aus dem Altbau sind direkt auf der Baustelle gebrochen und gesiebt worden (bis zu 1.800 Tonnen/Tag). Das so erzeugte Betongranulat wurde dann in der Nassklassierungsanlage der Firma Feeß in Kirchheim als Zuschlagsstoff (R-Splitt) für Recycling- Beton wiederaufbereitet und an nahgelegene Betonwerke geliefert.
- Im benachbarten Plochingen hat der Metall-Verarbeitungsbetrieb Kaatsch insgesamt mehr als 1.220 Tonnen Metalle aus dem Altbau zur Wiederverwendung aufbereitet – vom Bewehrungsstahl über Aluminiumfenster bis hin zu Kupferkabeln.
- Das Unternehmen Remondis in Zweibrücken hat rund 400 Tonnen Gipsdielen und -karton aus dem alten Landratsamt zur weiteren Nutzung im Hochbau recycelt.
Von der Planung bis zum Betrieb
Nach Abschluss des Rückbaus hat das Projektteam der ZÜBLIN-Direktion Stuttgart und der ZÜBLIN-Tochter Wolfer & Goebel Bau GmbH den Verwaltungsneubau zwischen Merkelpark und Neckarufer errichtet. Ein zweiteiliger Gebäudekomplex in Form einer liegenden Acht wird auf zwei Ebenen an das bestehende Verwaltungshochhaus angebunden. Die beiden polygonalen Baukörper mit vier bis fünf Ober- und zwei Untergeschossen bieten eine Netto-Raumfläche von insgesamt 33.000 Quadratmetern, auf der künftig 675 Arbeitsplätze für Verwaltungsbeschäftigte aus elf Ämtern eingerichtet werden sollen. Das lichte zweigeschossiges Foyer wird künftig dominiert durch großflächige und farbkräftige Installationen des renommierten Künstlers und Bildhauers Tobias Rehberger, der in Esslingen geboren ist.
Text: © Strabag | modifiziert

