Erdbodenhaus

Architektur aus dem Boden: Das Erdbodenhaus in Windischeschenbach

Das neue Erdbodenhaus in Windischeschenbach, dient als Schaudepot für die Bodenprofilsammlung Bayerns. Der einfache Baukörper beherbergt eine Sammlung von 280 wissenschaftlich präparierten Bodenprofilen des Bayerischen Geoarchivs und fungiert als zentraler Baustein für die geowissenschaftliche Bildungsarbeit sowie die Forschung. Konstruktiv und konzeptionell folgt das Gebäude dem Leitgedanken „Aus der Erde für die Erde“, indem die Architektur die Materialität der Exponate direkt in ihrer eigenen Konstruktion widerspiegelt.

Fertigstellung

Mai 2026

Bauherrschaft

Stiftung GEO-Zentrum an der KTB

Ausführung Stampflehmwände
Nutzung

Ausstellung und Schaudepot für rund 280 Bodenprofile aus ganz Bayern

© mju fotografie
© mju fotografie

Um das Schaudepot materialminimiert und kreislauffähig zu realisieren, beschränkt sich das Gebäude auf wenige, elementar gefügte Materialien wie Stampflehm, Holz, Glas, Beton und Metall. Die massiven Außenwände wurden vollständig aus regionalem Boden errichtet, wodurch eine Stampflehmfassade entsteht, die sich durch Witterungseinflüsse im Laufe der Zeit ästhetisch verändert. Zusätzlich ist die Fassade von einem weit auskragenden Holzdach geschützt wird. Diese ungebrannte Lehmbauweise garantiert eine vollständige Kreislauffähigkeit, sodass die Außenwände nach dem Ende des Lebenszyklus ohne Trennungsaufwand rückstandslos wieder zu dem Boden werden, aus dem sie hergestellt wurden. Das Gebäude steht auf einem funktional notwendigen Sockel aus gegossenem Stein, der im Außenbereich als umlaufende Sitzstufe dient. Um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren, wurde der Einsatz von Beton streng auf das minimal notwendige Maß reduziert, Die Gebäudetechnik folgt ebenfalls einem konsequenten Low-Tech-Prinzip. Das begrüntes Dach fügt sich direkt in den angrenzenden Bodenlehrpfad ein und stellt so eine unmittelbare funktionale und visuelle Synergie zwischen Gebäude und Naturraum her.

Durch diese konsequente materielle Reduktion und die vollständige Rückführbarkeit der Primärkonstruktion demonstriert das Erdbodenhaus eindrücklich, wie sich wissenschaftlicher Vermittlungsanspruch und radikale Kreislaufwirtschaft in einer klaren architektonischen Form vereinen lassen.

Text: ZAB | Quelle: Brückner & Brückner Architekten