Niels Bohr Parkhaus

Im neu entwickelten Stadtteil Brunnshög im südschwedischen Lund ist Ende 2025 ein Mobilitätsbauwerk ans Netz gegangen, das ausgemusterten Industrie-Komponenten eine zweite Lebensdauer verleiht. Das auf sechs Etagen angelegte Parkeringshus Niels Bohr bietet nicht nur 265 Stellplätze, sondern nutzt für große Teile seiner Vorhangfassade 57 ausgediente Rotorblätter von Windkraftanlagen. Damit demonstrieren die Projektbeteiligten praxisnah, wie sich schwer recycelbare Verbundwerkstoffe konstruktiv in städtische Infrastruktur einbinden lassen.

Fertigstellung

Dezember 2025

Bauherrschaft

Lunds kommunala parkeringsbolag (LKP)

Bauunternehmung

Wästbygg

ZAB
ZAB

Ursprünglich stammen die verbauten Rotoren aus dem Windpark Nørre Økse Sø. Sie bestehen vorwiegend aus Glasfaser und Härdplast, extrem widerstandsfähigen Materialien, die am Ende ihres Lebenszyklus konventionell kaum zu recyceln sind und daher oft auf Deponien enden oder verbrannt werden. Wiederverwendet fungieren sie in Lund nun als robuste, nichttragende Fassadenelemente, die dem Baukörper eine dynamische Struktur verleihen. Flankiert wird dieses zirkuläre Materialkonzept von einer intelligenten Energieinfrastruktur: Solarpaneele auf dem Dach speisen ein lokales Batteriesystem, dessen Speicherkapazität im Vergleich zu ähnlichen Mobilitätszentren des Bauherrn verdoppelt wurde. Die gewonnene Sonnenenergie wird auf diese Weise gepuffert, um beispielsweise die 40 integrierten E-Ladestationen des Hauses auch in den Nachtstunden zuverlässig mit Strom zu versorgen.

Als ergänzendes Detail der Fassadengestaltung durchbrechen begrünte Pflanzkästen mit Kletterpflanzen die harte Materialität der Rotorblätter, wodurch sie lokales CO2 binden und gezielt zur Regenwasserbewirtschaftung des Grundstücks beitragen.

Text: ZAB | Quellen: Vattenfall, IOM3, Lunds kommunala parkeringsbolag (LKP), Lloyd's arkitektkontor