Kreisarchivs Viersen
Der Kreis Viersen hat 2022 in der Ransbergstraße ein neues Kreisarchiv fertiggestellt, das ein Bauvolumen von 18.390 m³ umfasst. Das nach Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung geplante Gebäude bündelt Archivfunktionen sowie öffentliche Verwaltungsbereiche auf einer Bruttogrundfläche (BGF) von 4.410 m². Die reinen Baukosten für die Bauwerk- und Technikkonstruktion (Kostengruppen 300 und 400) beliefen sich auf 9,8 Millionen Euro netto.
2022
4.410 m²
Kreis Viersen
Rohbau: Solbach
Zimmerei: Ing.-Holzbau Krogmann
Lehm-Trockenbau: Stuck und Weck
Gussasphalt: Kurt-Bau
Landschaftsarchitektur: KRAFT.RAUM.
Innenarchitektur: raumkontor
Lüftung: Lufttechnik Viersen
Heizung: Metternich
Sanitär: Bott
Elektroplanung: Hell
Der Entwurf gliedert das Gebäude nach seiner Funktion in zwei wesentliche Bereiche: Das historische Archivgut wird in einem viergeschossigen, fensterlosen Magazinkubus gelagert. In neun separaten Magazinen ist es dort vor Licht und Klimaschwankungen geschützt. Dieser massive, an einen historischen Wehrspeicher erinnernde Kern wird von einem transparenten, eingeschossigen Umringsgebäude eingefasst, das die öffentliche Funktion des Hauses betont. In diesem großflächig verglasten Bereich befinden sich die Räume für Besucher und das Personal: Neben einem Lesesaal mit Freihandbibliothek und klassischen Büroarbeitsplätzen stehen eine Restaurierungswerkstatt, ein Akzessionsbereich zur Erfassung neuer Archivalien sowie ein flexibel aufteilbarer Raum für Vorträge und Gruppenarbeiten zur Verfügung.
Konstruktiv wurde der Neubau nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung realisiert und durchgängig mit Building Information Modeling (BIM) geplant, um Materialien für einen späteren Rückbau exakt zu dokumentieren. Die Fassade des Magazinkubus besteht im Sinne des Urban Mining aus wiederverwendeten Ziegeln regionaler Abbruchgebäude. Das Tragwerk des Umringsgebäudes wurde ressourcenschonend aus Holzständerwerk und Brettsperrholzdecken gefertigt, während die nicht aussteifenden Innenwände als Lehm-Trockenbau ausgeführt sind.
Das energetische Anlagenkonzept erreicht den Standard eines Effizienzhauses 55 und kommt ohne fossile Brennstoffe aus. Kernstück ist ein 200 Kubikmeter fassender Eisspeicher aus Stahlbeton im Erdreich, der Wärme für den Winter und Kälte für den Sommer bevorratet. Über Wärmepumpen und ein sogenanntes Kraftdach, das Photovoltaik und Solarthermie vereint, werden die Arbeits- und Magazinbereiche über eine Fußbodenheizung bedarfsgerecht temperiert.
Ein weit auskragendes Gründach über dem eingeschossigen Erdgeschoss dient den großen Verglasungen der Besucher- und Arbeitsbereiche als baulicher Sonnenschutz und fungiert gleichzeitig als thermische Speichermasse zur Regulierung von Temperaturspitzen.
Text: ZAB | Quellen: Gebäudeforum klimaneutral, Bauportal des Landes Nordrhein-Westfalen, Landkreistag NRW