Kopfbau Halle 118 (K.118)
Im März 2021 wurde auf dem Lagerplatz-Areal in Winterthur die Aufstockung der ehemaligen Halle 118 fertiggestellt. Das als K.118 bekannte Projekt erweitert einen bestehenden Backsteinbau und dient als Reallabor für kreislaufgerechtes Bauen. Die Planer setzten dabei primär auf die Wiederverwendung lokaler Bauteile, um den CO2-Ausstoß und den Ressourcenverbrauch während der Bauphase signifikant zu senken.
März 2021
Stiftung Abendbrot
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Das architektonische und konstruktive Konzept von K.118 basiert auf der Verfügbarkeit von Rückbaumaterialien, die innerhalb eines Radius von maximal 90 Kilometern um die Baustelle beschafft wurden. Das Stahlskelett der Aufstockung stammt aus einem Verteilzentrum in Basel. Da das Skelett aus statischen Gründen in seiner ursprünglichen, rechtwinkligen Geometrie belassen wurde, kragt der Neubau ab dem vierten Obergeschoss über den konischen Altbau hinaus. Für die Gebäudehülle kamen rote Aluminium-Trapezbleche einer ehemaligen Druckerei sowie großformatige, dreifach verglaste Aluminiumfenster eines Zürcher Bürogebäudes zum Einsatz. Entstehende geometrische Lücken zwischen den gebrauchten, unregelmäßigen Fenstern und dem Holztragwerk füllten die Planer anpassungsfähig und materialsparend mit Strohballen zur Dämmung.
Im Innenausbau wurde das Re-Use-Prinzip ebenso konsequent und vielseitig angewendet. Als Bodenbelag dienen zweitverwertete Massivholz-Fichtenpaneele. Für die Innenwände kamen Holzkonstruktionen zum Einsatz, die unter anderem aus gebrauchten Dreischichtplatten aus dem Bühnenbau gefertigt wurden. Auch Türen und Einbaumöbel erhielten ein zweites Leben. Ein prägnantes Detail sind die ehemaligen Granitfassadenplatten desselben Basler Verteilzentrums, die passgenau zu Arbeitsplatten für Küchen und Sanitäranlagen umfunktioniert wurden. Die gesamte Haustechnik ist offen an der Decke geführt, um zukünftige Wartungen und Anpassungen ohne Eingriffe in die Baustruktur zu erleichtern. Zu den wiederverwendeten Elementen zählen hierbei unter anderem Heizkörper sowie Sanitärkeramik wie Porzellanwaschbecken und Toiletten, die lediglich gereinigt oder leicht aufbereitet werden mussten.
Schwere und sicherheitsrelevante Bauteile wie Fundamente und seismische Aussteifungen mussten jedoch aus Recyclingbeton neu gegossen werden. Bemerkenswert ist die ökologische Bilanz des Projekts: Die zirkulären Bauteile sparten in der Herstellungsphase 85 bis 99 Prozent der Treibhausgasemissionen ein. Dies entspricht einer Gesamtersparnis von 494 Tonnen CO2-Äquivalenten (rund 59 Prozent) für die Erstellung der Aufstockung gegenüber einem konventionellen Neubau. Die Gesamtkosten lagen am Ende lediglich 2,5 Prozent über den Schätzkosten für einen Bau mit neuen Materialien. Die reinen Materialankaufskosten fielen dabei minimal aus (zwischen 0 und 3,4 Prozent); das Budget floss stattdessen primär in die arbeitsintensive Demontage, handwerkliche Anpassung und komplexe Planung.
Ein technisches Highlight auf dem Dach ist die 18,7 kWp-Photovoltaikanlage. Obwohl die Module bereits rund 25 Jahre an einem anderen Standort in Betrieb waren, weisen sie weiterhin 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung auf und decken den Strombedarf des Gebäudes während der Tagesstunden ab.
Text: ZAB | Quellen: TU Delft, ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, baubüro in situ AG, Zirkular GmbH, Stiftung Abendrot