Saint Romain Le Puy

Die Belebung eines Stadtzentrums bedeutet die Umsetzung einer Reihe von Maßnahmen, um seine Attraktivität wiederherzustellen und die Bewohner langfristig zu binden. Diese Maßnahmen können die Aufwertung von Wohnraum und Gebäuden, die Gestaltung öffentlicher Räume oder Dienstleistungen sowie den Erhalt des lokalen Einzelhandels betreffen. Durch die Verbesserung der Lebensqualität und die Stärkung des sozialen Zusammenhalts soll das Interesse am Leben und Verweilen im Stadtzentrum neu geweckt werden.

Der Einstieg in einen solchen Revitalisierungsprozess bringt die Gemeinde dazu, klare Ziele im Hinblick auf das Wohl ihrer Bewohner und die Aufwertung des Stadtgebiets zu formulieren – insbesondere unter Berücksichtigung von Lebensqualität und Umweltverträglichkeit. Neue gesetzliche Vorgaben zwingen Kommunen zudem zu einem sparsamen Umgang mit Flächen (Flächensuffizienz) sowie zur Förderung von Sanierung und Umnutzung bestehender Bausubstanz. Steigende Energiepreise und knapper werdende Ressourcen motivieren Städte und Gemeinden zusätzlich, auf erneuerbare Energien umzusteigen und Ressourcen effizienter zu nutzen.

Fertigstellung

voraussichtlich 2028

Projektfläche

5.439 m²
(inkl. Gebäude und Freiflächen)

Bauherrschaft

Commune de Saint Romain Le Puy

Stadt- & Verkehrsplanung, Kreislaufstrategie
Umwelt, Rückbau & Sanierung
Weitere Projektbeteiligte

Bürger*innen (partizipative Prozesse, Schulprojekte)
Direction régionale des affaires culturelles DRAC (Denkmalschutz)

© ALDEBERTUS
© ALDEBERTUS

Die Gemeinde Saint-Romain-le-Puy zählt über 4.000 Einwohner und gehört zum Einzugsgebiet von Montbrison im Rahmen des lokalen Wohnraumprogramms, das am 20. Januar 2020 vom Gemeindeverband beschlossen wurde. Gelegen zwischen Saint-Étienne und Montbrison ist sie an die regionale Bahnlinie angebunden. Das historische Ortszentrum befindet sich unterhalb eines romanischen Priorats aus dem 10. Jahrhundert, das als historisches Denkmal geschützt ist.  Durch ein neues Quartier mit Anbindung an das Priorat und die Schulen wird das Gemeindezentrum neu gestaltet. Zusätzlich wird die Achse zwischen Zentrum und Bahnhof verdichtet und neu strukturiert.

Das vulkanische Plateau mit dem Priorat begrenzt die städtebauliche Entwicklung in einem ringförmigen Bereich rund um diesen markanten Geländevorsprung. Innerhalb dieses von hohem Verkehrsaufkommen geprägten Perimeters liegt das historische Ortszentrum. Die parallel zum Ort verlaufenden Barrieren – der Forez-Kanal und die Bahnlinie – erschweren die Zugänglichkeit und lassen nur wenige Querungen zu. Dadurch ist der alte Ortskern räumlich stark verdichtet und konzentriert sich auf drei enge Straßen rund um einen zentralen Verkehrsknotenpunkt. Entlang dieser Straßen befinden sich sowohl der Großteil des Verkehrs als auch die meisten Geschäftsangebote. Diese spezifische städtebauliche Situation führt zu mehreren strukturellen Herausforderungen:

  • Die zentrale Lage von Einrichtungen (Bahnhof, Rathaus, Post, Schulen) in einem Radius von 250 Metern (etwa 3 Gehminuten), jedoch mit mangelnder Übersichtlichkeit der Wegeführung.

  • Eine unzusammenhängende und teils überlastete Einzelhandelsstruktur entlang enger öffentlicher Räume.

  • Unzusammenhängende Fußwege, die Fußgänger zwingen, auf schmalen Gehwegen zwischen einzelnen Plätzen und Einrichtungen zu laufen (geringe Sichtbarkeit, fehlender Raum).

  • Eine Dominanz von Parkplätzen, die die Aufenthaltsqualität auf dem Weg vom Zentrum zum Priorat stark beeinträchtigt.

  • Das Fehlen eines zentralen, identitätsstiftenden öffentlichen Raums wie eines klassischen Dorfplatzes.

Zur Bewältigung dieser Herausforderungen revitalisiert Saint-Romain-le-Puy sein Ortszentrum mit folgenden Zielen:

  • Die Sichtbarkeit und Qualität der öffentlichen Räume verbessern und die Attraktivität des Zentrums durch neue Angebote erhöhen, um mehr Menschen anzuziehen und dauerhaft zu binden.

  • Vielfältige Wohnangebote schaffen – in Form kleiner Mehrfamilienhäuser oder gruppierter Einheiten.

  • Die Infrastruktur und die Qualität des öffentlichen Raums im Zentrum gezielt stärken.

  • Eine klare Gliederung von Verkehrsführung und Parkraum schaffen.

  • Eine hochwertige Ost-West-Verbindung im Ort wiederherstellen.

  • Neue Gebäude städtebaulich besser integrieren.

  • Eine programmatische Mischung ermöglichen – sowohl im Wohnraum (kleine Mehrfamilienhäuser, Einzelhäuser) als auch bei der Nutzung (Geschäfte, Dienstleistungen, Wohnen).

  • Einrichtungen und öffentliche Räume schaffen, die die Attraktivität des Zentrums dauerhaft sichern.

Das Projekt sieht letztlich folgende Maßnahmen vor:

  • 54 neue Wohneinheiten, davon die Hälfte als Sozialwohnungen für Menschen mit geringem Einkommen.

  • Neue, einladende Grünflächen mit einem neuen Ortszentrum, das aus 600 m² überdachter Halle, 350 m² bepflanzten Flächen und 740 m² befestigten Flächen (inkl. Kinderspielflächen, Sitzbänken, Bäumen etc.) besteht.

  • Neue Geschäfte und Dienstleistungen im Ortskern, die auch für ältere Menschen gut zu Fuß erreichbar sind. Bestehende Einrichtungen wie Schulen, Bäckerei, Apotheke und das Priorat profitieren ebenfalls von der verbesserten Erreichbarkeit.

© EPORA, Sylvain Batigne
© EPORA, Sylvain Batigne