Sächsische Landesausstellung 2020

Temporäre Architektur im Kreislauf: Ein Re-Use-Konzept für die Ausstellung in der Zwickauer Audi-Halle

Für die Zentralausstellung der 4. Sächsischen Landesausstellung zur Industriekultur 2020 wurde auf dem Gelände der historischen Audi-Halle in Zwickau ein temporäres Eingangsgebäude realisiert. Der Entwurf von AFF Architekten folgt konsequent den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft: Bauteile wurden gemietet, wiederverwendet oder aus vorhandenen Materialien gefertigt. Das Projekt versteht sich als experimentelle Architektur, die industrielle Wiederverwendung nicht nur als funktionale Notwendigkeit, sondern als gestalterisches Element sichtbar macht.

Zeitraum der Ausstellung

2020 - 2021

Trägerschaft

Freistaat Sachsen / Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Architektur & Konzept
System-Partner Zirkularität

Layher (Gerüstsysteme), spezialisierte Container-Vermieter

© ZAB
© ZAB

Technische Umsetzung und Materialstrategie

Das temporäre Eingangsgebäude wurde weitgehend aus wiederverwendbaren Standardbauteilen errichtet. Ein zentrales Element bilden 38 Seecontainer, die innerhalb eines Mietkreislaufs genutzt wurden und nach Ende der Ausstellung einer weiteren Verwendung zugeführt werden konnten. Auch die Dachkonstruktion aus Gerüsttraversen stammt aus einem Mietsystem; sie ist vollständig demontierbar und an anderer Stelle wieder einsetzbar.

Viele Ausstattungselemente wurden aus industriellen Lager- und Restmaterialien gefertigt. So bestehen die Schließfächer aus 272 Sichtlagerkästen, während der Kassentresen aus 180 Stapelboxen aufgebaut wurde. Die Beleuchtung im Kassenbereich nutzt wiederaufbereitete Industrieleuchten aus dem Jahr 1978. Sitzmöbel entstanden aus 84 gebrauchten Autoreifen, wodurch Abfallmaterial direkt in eine neue funktionale Anwendung überführt wurde.

Weitere Elemente setzen auf einfache, rückbaubare Konstruktionen. Das Rampensystem und die Brüstungen wurden aus sägerauem, unbehandeltem Holz gefertigt – einem nachwachsenden Rohstoff, der ohne zusätzliche Beschichtungen eingesetzt wurde. Die Haustechnik wurde bewusst offen installiert, wodurch auf aufwendige Verkleidungen verzichtet werden konnte und ein späterer Rückbau erleichtert wird.

Ergänzend zu den temporären Einbauten wurde die historische Substanz der Audi-Halle in das Konzept integriert. Die ehemalige Montagehalle aus den Jahren 1938–39 wurde minimalinvasiv freigelegt und saniert, um die vorhandenen Oberflächen zu erhalten. Damit knüpft das Projekt an die ursprüngliche Bauweise des Bestands an, der bereits unter dem Aspekt einer materialeffizienten Konstruktion errichtet wurde.

Das Projekt zeigt beispielhaft, wie temporäre Architektur mit minimalem Ressourcenaufwand realisiert werden kann. Durch Mietsysteme, die Wiederverwendung industrieller Produkte und einfache, demontierbare Konstruktionen wurde ein Großteil der Materialien nach Ausstellungsende wieder in den Nutzungskreislauf zurückgeführt. Gleichzeitig werden die Themen industrielle Produktion, Austauschbarkeit von Produkten und Recyclingprozesse selbst zum integralen Bestandteil der architektonischen Gestaltung.

© Text: ZAB | Datenquelle: AFF Architekten / Sächsische Landesausstellung 2020