Kornhaus Ravensburg - Sanierung der Stadtbücherei

Das denkmalgeschützte Kornhaus in Ravensburg ist ein Speicherbau des Spätmittelalters beziehungsweise der Frühen Neuzeit. Es diente ursprünglich der Lagerung und dem Handel von Getreide aus Oberschwaben. Der Bau umfasst eine große Halle im Erdgeschoss mit drei darüberliegenden Kornböden. Das Sichtfachwerk erhielt 1618 eine vorgeblendete Fassade, die den Eindruck eines Massivbaus erzeugt. Heute wird das Gebäude als Stadtbibliothek genutzt. Diese Funktion bleibt auch nach der Sanierung erhalten.

Stand

Entwurfsplanung

BGF

2.930 m²

Bauherrschaft

Stadt Ravensburg

Architektur
Fachplanung

Energieplanung: Umweltingenieure GmbH

© ZAB
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Ziel des Architekturbüros QWERTZ ist es, die räumlichen Qualitäten des historischen Bestands wieder freizulegen. Spätere Einbauten werden, soweit technisch möglich, zurückgebaut, um die offene Hallenstruktur mit ihren Holzstützen und dem Deckentragwerk sichtbar zu machen. Für eine nachhaltige Perspektive wird das Erdgeschoss zu einem öffentlich zugänglichen Marktplatz umgestaltet. Vorgesehen sind der Empfang der Bibliothek, ein Café, flexible Foyerflächen sowie ein Veranstaltungssaal. Ein zentral positionierter, eigenständiger Einbau gliedert den Raum und schafft neue Bereiche für Aufenthalt und kulturelle Teilhabe.

Das Kornhaus bleibt in seiner historischen Gestalt erhalten und wird denkmalgerecht saniert. Das äußere Erscheinungsbild wird bewahrt. Die massive Außenhülle mit ihren starken Wandquerschnitten bietet zugleich energetische Vorteile. Sie wirkt als thermischer Speicher, gleicht Temperaturschwankungen aus und sorgt ganzjährig für ein stabiles Raumklima. Die energetische Erneuerung konzentriert sich daher auf das Gebäudeinnere. Fenster werden denkmalgerecht erneuert, der Innenputz punktuell instand gesetzt. Für die Wärmeversorgung wird das Kornhaus an das Fernwärmenetz angeschlossen, nahezu alle Geschosse erhalten eine Fußbodenheizung. So entsteht ein Energiekonzept, das historische Substanz und zeitgemäße Gebäudetechnik verbindet.

Der Erhalt der bestehenden Bausubstanz bildet die Grundlage der ökologischen Qualität des Projekts. Durch den reduzierten und gezielten Materialeinsatz wird der ökologische Fußabdruck minimiert und die Gebäudebilanz verbessert. Im LNB erreicht das Projekt im Block D Baustoffe und Konstruktionen die Maximalpunktzahl. Die eingesetzten Materialien sind bauökologisch optimiert und schadstoffarm. Bestehende Bauteile werden, wo möglich, wiederverwendet, für neue Betonbauteile kommt Recyclingbeton zum Einsatz. Das Ergebnis zeigt ein ausgewogenes Sanierungskonzept – ressourcenschonend, effizient und im Sinne einer nachhaltigen Denk malpflege das den Bestand hervorhebt.



LNB - Leitfaden Nachhaltig Bauen
Prozess- und Planungsqualität -ökologische Ziele, Wirtschaftlichkeit, Produktmanagement 180/280 max

Energie und Versorgung 278/360 max
ökologische und energetische Hüllqualität des Gebäudes

Gesundheit und Komfort 120/125 max Thermischer Komfort, Raumluftqualität

Baustoffe und Konstruktion 235/235 max
Vermeidung kritischer Stoffe, Ökologie der Baustoffe Ökologischer
Index der Gesamtmasse des Gebäudes OI3: 95 Pkt.



Text © Anbau | modifiziert

© ZAB
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