Paul & Rosa
In Schweinfurt realisierte die Riedel Bau AG auf einem rund 1.400 Quadratmeter großen Grundstück im Stadtteil Hochfeld das Wohn- und Forschungsprojekt Paul & Rosa. Die beiden Gebäude mit insgesamt sechs Mietwohnungen wurden im Sommer 2025 fertiggestellt. Als Reallabor konzipiert, liefern die Bauten in den kommenden Jahren fundierte Daten zu nachhaltigen Werkstoffen, kreislauffähigen Bauweisen und dem realen Energieverbrauch.
Sommer 2025
Vermietet seit Herbst 2025
1.400 m²
Die beiden Gebäude Paul und Rosa sind in ihrer Konstruktion absichtlich verschieden aufgebaut. Das Riegelgebäude Paul basiert auf einer hybriden Skelettbauweise mit Holzstützen und auf 16 Zentimeter reduzierten Betondecken. Bei dem Punktgebäude Rosa kommen hingegen Holzbalkendecken mit einer losen Blähtonschüttung für den Schallschutz sowie rote Estrichziegel als 18 Millimeter starker, keramischer Trockenestrich zum Einsatz. Da die sechs Mietwohnungen über vergleichbare Grundrisse verfügen, lassen sich in den kommenden Jahren sowohl technische Daten zum Energieverbrauch als auch das subjektive Behaglichkeitsempfinden der Bewohnerschaft unmittelbar miteinander vergleichen.
Ein zentraler Fokus des gesamten Konzepts liegt auf der Kreislaufwirtschaft und der sortenreinen Trennbarkeit. Die Konstruktionen folgten dem Prinzip des Schraubens, Klemmens und Steckens anstelle des Klebens, sodass sämtliche Materialien am Ende ihrer Nutzungsdauer demontiert und recycelt werden können. Dies zeigt sich beispielsweise sehr gut bei der Blähtonschüttung, die trocken und ohne Bindemittel eingebracht wurde und die Deckenkonstruktion dadurch besonders rückbaufreundlich macht.
Zusätzlich weisen die gewählten Baustoffe einen reduzierten ökologischen Fußabdruck auf. Der eingesetzte Beton besteht zu 32 Prozent aus recyceltem Material und nutzt einen CO2-reduzierten Zement. Die Transportwege wurden auf acht Kilometer für den Beton und 40 Kilometer für die Gesteinskörnung begrenzt. Seriell vorgefertigte Außenwandmodule – bei Paul aus Holz mit Zellulose- und Strohdämmung, bei Rosa aus gefüllten Ziegelfertigteilen – beschleunigten den Bauablauf maßgeblich. Im Vergleich zu konventionellen Massivbauten sparen die Gebäude über ihren Lebenszyklus rund 50 Prozent der CO2-Emissionen ein.
Ein spezifisches technisches Detail ist die gebäudeintegrierte Energieversorgung des Riegelgebäudes. Eine als wetterfeste Dachhaut konzipierte Photovoltaik-Thermie-Anlage wandelt Sonnenenergie mit 39 kW thermischer Leistung gleichzeitig in Strom und Wärme um. Die Dachkollektoren erwärmen dabei einen Sole-Wasser-Kreislauf, dessen Energie durch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe auf rund 30 Grad Celsius gebracht und in einen zentralen Pufferspeicher eingespeist wird. Von dort aus versorgt das System direkt die Heizkreise und die innovative Betonkernaktivierung in den massiven Decken von Paul. Dieses System nutzt die thermische Trägheit des Betons: Im Winter geben die aktivierten Decken die gespeicherte Wärme großflächig an die Räume ab, während sie im Sommer die überschüssige Wärme aus den Räumen abführen und somit für eine effiziente Kühlung sorgen. Eine integrierte raumbasierte Steuerung erlaubt dabei eine genaue und individuelle Temperaturanpassung an die Bedürfnisse der Bewohnerschaft.
Text: ZAB | Quellen: Riedel Bau AG, ASAP Institut für nachhaltige und klimagerechte Architektur GmbH, Leipfinger-Bader, IVV Magazin